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Alles hat zwei Seiten

Bei Ausgrabungsarbeiten an der Porta Magnesia von Ephesos wurden vor dreissig Jahren zwei Papyri aus dem 6. vorchristlichen Jahrhundert gefunden. Sie enthielten folgenden Text:

 "Ich, Heraklit, Sohn des Blyson, erkläre, da ich bereits den Hades rieche, bevor das Wasser meine Seele überschwemmt und mich hindert, dem Logos zu folgen, im Vollbesitz meiner einzigartigen Geistes- und Willenskräfte: Mein gesamter Besitz - und zwar im einzelnen das Ackerland unterhalb des Berges Phion, das Haus, der Stall, die fünf Hunde, die zwei Schweine, die Milchkuh und der Zuchtbulle - geht an jenen, der mir als erster die genaue Bedeutung folgender Maxime erklären kann: 'Die Sonne ist einen Fuss breit.'"

Der 2. Papyros enthielt die Deutung dieses Rätsels: "Es war hoher Sommer, als ich mich eines Tages, nachdem ich mir die Füsse gewaschen hatte, in die Sonne legte, um zu trocknen. Ich hatte mich auf der Terrasse meines Hauses auf einer Lemno-Matte ausgestreckt und dachte an den Schlaf und den Tod und worin sich beide voneinander unterscheiden, als mir schliesslich die Sonnenstrahlen in die Augen drangen. Ich hob ein Bein, um mir ein wenig Schatten zu verschaffen, und entdeckte dabei, dass die Sonne nur wenig grösser als mein rechter Fuss war.

Diese Erfahrung lehrte mich, dass 'ein Ding ist, was es zu sein scheint' (die Sonne gross wie ein Fuss) und 'ein Ding ist, was es ist' (die wirkliche Grösse der Sonne). Daher meine ich, dass weisheitsliebende Menschen viele Dinge lernen müssen, wobei es unerlässlich ist, jedem Ding auf den Grund zu gehen, um zu erkennen, was sich in seinem Innern verbirgt. Man darf sich nicht vom Augenschein täuschen lassen. Die Dinge an sich sind weder schön noch hässlich, weder gut noch schlecht, sondern werden es erst durch ihren Zweck. Daher kann etwa der Krieg den Göttern erwünscht sein, da sie ihn als Auslese betrachten, für die Sterblichen aber ist er schlecht, denn er bringt ihnen nur den Tod.

Jede Wirklichkeit hat zwei Seiten, eine positive und eine negative. Das Meereswasser ist heilsam für die Fische und tödlich für die Menschen. Ein Ding, das auf den ersten Blick konkav erscheint, könnte in Wirklichkeit auch konvex sein. Im Unterschied zu den Göttern ist den Menschen Einsicht verwehrt. Und um zu bestimmen, ob eine Sache gerecht ist oder ungerecht, vertrauen sie nicht auf ihren Verstand, sondern auf ihre Sinne, was nur zu Täuschungen führt. Und selbst wenn der Weise sie warnt, glauben sie ihm nicht, sondern handeln wie Schlafende. - Also sprach Heraklit, Sohn des Blyson."

 
     
   

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Yesudian - Yoga in der Tradition von Selvarajan Yesudian und Elisabeth Haich