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Plotin 
(Zum Teil aus "Wie sie Gott fanden" von Sheldon Cheney, Emil Oesch Verlag)

Der Philosoph Plotin wurde 205 in Ägypten geboren und blieb bis 242 in Alexandria. Er nahm am Persienfeldzug des Kaisers Gordians teil und ließ sich anschließend in Rom nieder, wo er Vorsteher seiner philosophischen Schule wurde. Sein Einfluss wurde so groß, dass Kaiser Galienus erwog, ihm die Mittel zur Gründung einer Stadt zu verschaffen. Diese Stadt, Platonopolis genannt, sollte nach der Staatstheorie von Platon gestaltet werden. 

Plotin war zu einer Philosophie vorgedrungen, in deren Mittelpunkt Gott stand, zu einem Ziel, das weit über Vernunft und irdischen Ehrgeiz hinausging. Er verlegte nicht nur das Schwergewicht der platonischen Philosophie auf das religiöse Gebiet, sondern er hatte auch wiederholt das Erlebnis der Befreiung vom irdischen Körper und des Aufgehens im Göttlichen. Plotin glaubte, das Leben müsse in ständiger Wahrnehmung des Göttlichen und in dauernder Erwartung der Vereinigung gelebt werden. Durch den Ernst und die Überzeugungskraft seiner visionären Erlebnisse wurde er einer der größten Propheten der Welt. 

Alle Lehren und Glaubenssätze Plotins wuchsen wie Zweige am Baum seiner göttlichen Erfahrung. Sein inneres Einssein mit Gott ist der Mittelpunkt, der Stamm, aus dem seine Glaubenssätze über Leben und Unsterblichkeit, über Welt und Kosmos, über Ideale und Glück und Moral herauswachsen. Plotin war von Gott besessen: Alles andere war nebensächlich. „Die Philosophie“, sagt Plotin, „beginnt beim Glück, und das philosophische Leben ist daher das Leben, in dem man das Gute, d.h. Gott, findet. Das Glück hängt nicht von den Dingen ab, die von den Menschen getan und erworben werden, sondern von einer bestimmten Geisteshaltung. ... Das Glück von äußeren Ereignissen abhängig machen hieße es von Dingen abhängig machen, die außerhalb des Guten und von der Seele unabhängig sind. Die Seele hat ihr Wesen nicht in den Ereignissen, sondern in der Weisheit, in dem ihr eigenen, betrachtenden Erleben. Dies, dies allein ist Glück." 

Dann warnt er davor, das Glück durch Abkehr vorn Leben finden zu wollen. Man findet es eher, meint er, wenn es einem gelingt, das Göttliche in dieser Welt zu entdecken. Er besteht darauf, "dass diese Welt schön sei, ein Widerschein und Abbild des Urbildes, des göttlichen Geistes".

"Was Moral und ethische Lebensführung ist, wird der Seele nicht dadurch klar werden, dass sie äußerliche Regeln beobachtet, sondern sie wird sie aus ihrer eigenen Natur heraus verstehen." Plotin selbst, der auf diese Weise intuitiv erfasste, was Moral ist, kam dadurch zu einer einfachen Lebensführung, zu einer gemäßigten, die Gesundheit nicht beeinträchtigenden Askese. 

Wir können ihn uns nach Beschreibungen seiner Zeitgenossen als das Vorbild eines tätigen Heiligen vorstellen. Da er das Urbild des Guten unverrückbar im Sinne trägt, zieht er auch das Gute in der Welt zu sich heran und findet es ohne weiteres, wenn er es sucht. Das Gute ist das Normale, und es ist immer gegenwärtig, selbst für diejenigen, die in bezug auf ihr Verhältnis zu Gott ‚noch schlafen'.

In der Verbindung mit dem Körper und der Welt liegt ohne Frage ein Abstieg, aber: "Unsere Seele versinkt nicht ganz im Körper, ein Teil von ihr bleibt immer in der göttlichen Sphäre". Der Teil der Seele, der in der irdischen Welt lebt, wird oft verwirrt und verliert die Fühlung mit ihrem göttlichen Teil, besonders wenn der Mensch seinen niederen Trieben nachgibt. Aber der Teil der Seele, der in der Welt ist, wird solange Frieden haben, als er seinen Ursprung und seine Einheit mit der höchsten Seele nicht vergisst und immer das sucht, was göttlicher Art ist wie er selbst. Schmerz ist das äußere Anzeichen dafür, dass die wahre Natur der Seele verletzt worden ist. Oder, wie Plotin sagt: "Schmerz ist ein Anzeichen dafür, dass der Körper die Ähnlichkeit mit der Seele verloren hat." Und weiter: "Unser von Gott getrenntes Leben ist nur eine kümmerliche Nachahmung dessen, was es eigentlich sein sollte. Sich vom Höchsten fernhalten bedeutet Einsamkeit und Erniedrigung. Doch beim Höchsten findet die Seele Frieden, und dort gibt es nichts Böses und Unrechtes, dort findet die Seele Verständnis, dort ist sie frei." 

Auf Plotins Wege zum Ziel gibt es eine Reihe klar voneinander abgesetzter Stufen. "Diese Welt ist der Ausgangspunkt unserer Reise. Da wir aus der göttlichen Natur hierhergekommen sind, müssen wir unseren Weg mit einigen Verbesserungen unserer irdischen Natur beginnen. Das bedeutet Mäßigkeit, Selbstbeherrschung, einen festen Stand gegen sinnliche Freuden, Überwindung weltlichen Ehrgeizes und beharrlich geübte geistige Sammlung. Indem wir so der Freiheit immer näher kommen, bringen wir allmählich die All-Seele in uns zum Leben."

 
     
   

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