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Vergeistigung

Selvarajan Yesudian sprach oft: „Ich bin Geist, mein Körper ist Geist, ich vergeistige meinen Körper, ich vergeistige mein Leben.“ Für viele Menschen ist es schwer, sich darunter etwas vorzustellen. Wir sind es nicht gewohnt, uns in geistigen, also feistofflichen Dimensionen zu bewegen – oder etwa doch? Für uns ist die Welt der materiellen Erscheinungen am realsten. Wenn aber etwas darüber hinaus geht, werden wir schnell skeptisch oder sogar ablehnend, weil wir damit nicht vertraut sind. Die Physik sagt, dass alles Energie, alles Schwingung ist. Die Chemie lehrt, dass auch die härteste Materie im Grunde genommen löcherig wie ein Emmentalerkäse ist. Es ist alles eine Frage der Betrachtungsweise – mit welchen Sinnen und aufgrund welcher Erkenntnis etwas betrachtet wird.

Wenn Yesudian empfiehlt, das Leben zu vergeistigen, ist der Eine oder Andere geneigt, diese Aussage als etwas abgehoben zu betrachten, als „Spirigiri“ oder „Hokuspokus“ abzuwerten. Jedoch, ob wir wollen oder nicht, wir vergeistigen unser Leben sowieso. Alles was wir tun, hat seinen Ursprung in den Gedanken. Das bedeutet, selbst alltägliche Dinge wie aufstehen, sich ankleiden, waschen, Zähne putzen, zur Arbeit gehen oder was auch immer wir tun, wir stellen es uns zuerst geistig vor und dann setzen wir es in die Wirklichkeit um. Das ist überhaupt kein mystischer oder esoterischer Vorgang, sondern alltägliches Leben. Insofern sind wir geistige Wesen, denn das was man von uns sieht und was wir tun ist nur ein verschwindend kleiner Teil, vergleichbar mit der Spitze eines Eisberges.

Dieses meist unbewusst ablaufende Leben kann Yesudian nicht gemeint haben. Vielmehr geht es um das Bewusstsein, dass wir als geistiges Wesen im Körper tätig sind. Viele Menschen identifizieren sich mit dem Körper und mit der Materie. In der Materie hat alles seine feste Form und seine Grenzen. Deshalb sind solche Menschen in der Materie gefangen. Bereits Wünsche, viel Arbeit, Verliebtheit, Besitz, Genuss, Pflichten und Leidenschaften können genügen, um materiell ausgerichtet zu sein. Was Yesudian meint ist, dies alles zu tun, aber aus dem Bewusstsein seines eigenen, geistigen Wesens heraus zu wirken. Mit unserem Bewusstsein die Arbeit, den Körper und überhaupt das ganze Leben zu durchdringen, gleichsam zu transformieren und zu vergeistigen. Wie? Indem wir aus der Mitte unseres Wesens, aus dem Herzen heraus wirken: „Ich bin Geist, mein Körper ist Geist, ich vergeistige mein Leben.“

 
     
   

Yoga-Schule Rolf Heim, Sekretariat, Schöneggstr. 15, CH-9404 Rorschacherberg, Mail: rolfheim@yogaschulen.ch,
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Yesudian - Yoga in der Tradition von Selvarajan Yesudian und Elisabeth Haich