Angebot S. Yesudian Elisabeth Haich Sprüche Wochenthemen Links Videos
yoga_anmeldung
Home St. Gallen Zürich Ponte Tresa Anmeldung Über uns CD-Buchbestellung Gallerie

Vorträge Archiv 

 

Ramakrishna – der grosse Heilige

Ramakrishnas Eltern, Khudiram Chattopadhyaya und Chandra Devi, hatten im Jahre 1799 geheiratet. In der Folge wurden dem Brahmanen- Ehepaar 3 Kinder, 2 Knaben und ein Mädchen geboren. Am 18. Februar, im Jahre 1836, erblickte Ramakrishna als viertes Kind das Licht der Welt, im Kamarpukur, einem kleinen Dorfe Bengalens, das von Banyan- und Mangobäumen beschattet wird und von Reisfeldern und Teichen umgeben ist. Seine Eltern gaben ihm den Namen Gadadhar, Zepterträger, ein Name, der unter vielen anderen Vischnu zukommt. Gescheit, frühreif, mit überraschendem Gedächtnis begabt, voll Gesundheit und lebhaften Geistes wuchs Gadadhar auf. Er war ein Kind, das eine wirkliche Neigung zum Modellieren, zur Malerei und zum Gesang zeigte, aber über alles liebte er doch die epischen Erzählungen der Hindumythologie.

 Erste Entrückung
Der junge Gadadhar erlebte seine erste Entrückung im Alter von sechs Jahren. Eines Tages im Sommer schlenderte er einen engen Pfad zwischen Reisfeldern entlang, wobei er gedünsteten Reis verzehrte, den er in einem Korbe trug. Er sah zum Himmel auf und erblickte eine schöne dunkle Gewitterwolke, die sich schnell ausbreitete und den ganzen Himmel bedeckte. Ein Zug von Kranichen, weiß wie Schnee, zog über ihm hin. Die Schönheit dieses Gegensatzes überwältigte ihn so, dass er das Bewusstsein verlor. Er fiel ohnmächtig zu Boden. Der Reis wurde um ihn herum verstreut. Ein vorbeikommender Bauer fand ihn und trug ihn in seinen Armen zum Hause seiner Eltern. Später erklärte Ramakrishna, dass er damals eine unaussprechliche Freude empfunden habe.

Tod des Vaters und Brahmanenweihe
Als sein Vater starb, war er sieben Jahre alt. Dieser Verlust, der ihn tief betrübte, brachte ihm die Vergänglichkeit der Wesen und der Dinge zum Bewusstsein. Er fing an, noch mehr zu lesen, besonders die religiösen Geschichten in den Puranas, die ihn ebenso begeisterten wie die Erzählungen der Pilger und Mönche, die in Kamarpukur Rast machten, ehe sie zur Pilgerfahrt zum berühmten Jagannath-Tempel nach Puri weiterzogen. Er leistete ihnen Dienste und schaute ihnen zu, wenn sie meditierten. Der kleine Gadadhar empfing im Alter von neun Jahren die heilige Schnur in der Upanayana genannten Weihefeier, die die Aufnahme eines Kindes in die brahmanische Gemeinschaft bestätigt.
Große wirtschaftliche Schwierigkeiten — Khudirams Witwe hatte böse Jahre zu überstehen — nötigten den älteren Bruder Gadadhars nach Kalkutta überzusiedeln, um dort eine Schule für Sanskrit aufzumachen. Ramkumar ließ seinen jüngeren, damals sechzehnjährigen Bruder kommen, um ihm in seiner beruflichen Arbeit zu helfen. Gadadhar erwies sich aber als ungeschickt für diese Art Arbeit. Er setzte seinen ganzen Eifer daran, Heiligenbilder zu malen und geistliche Lieder zu singen. Wenn Ramkumar ihm Vorhaltungen machte, antwortete er, sein einziges Verlangen sei es, die Weisheit zu erlangen, die seinem Herzen Klarheit bringen und ihm den unerschütterlichen Frieden geben sollte, nach dem er trachtete. Er erinnerte sich der Meditationen der Mönche, die er in seiner Kindheit bedient hatte. Ihre Hingabe, die Reinheit ihres Lebens, ihr Verzicht auf alles Weltliche hatten einen unauslöschlichen Eindruck auf ihn gemacht. Er träumte von nichts anderem, als ihrem Beispiel zu folgen. Sein Sehnsuchtsziel war endgültig auf Gott gerichtet.

Der Kalitempel
In Kalkutta lebte Rani Rasmani, eine reiche, der Kaste der Schudras zugehörige Witwe. Diese Frau stand in hohem Ansehen. Sie ließ im Jahre 1847 am Ufer des Ganges einen Tempel bauen, der Kali, der Göttlichen Mutter, geweiht war. Da sie aber eine Schudra war, hatte sie es schwer, einen Brahmanen zu finden, der gewillt gewesen wäre, das Priesteramt anzunehmen. Nach lebhaftem Widerspruch Gadadhars gab Ramkumar endlich nach und wurde zum Verwalter des Kalitempels ernannt.

Als er ein Jahr später starb, nahm Ramakrishna seine Stelle ein. Dabei unterstützte ihn sein junger Neffe Hriday, welcher später in seinem Leben eine äusserst hilfreiche Rolle spielte. Mit zwanzig Jahre war er nun Priester geworden. Sein Zimmer befand sich in der Reihe der zwölf Schivatempel . Es hatte eine halbrunde Veranda mit einem von Säulen getragenen Dach und gab den Blick auf den Ganges frei.

Der größere, nach Süden gerichtete Tempel war Kali geweiht, die als Retterin des Alls verehrt wurde. Ein Basaltbild der göttlichen Mutter, gekleidet in Goldbrokat, das eine Krone, Halsketten und auch eine Girlande von Menschenschädeln trug, tanzte auf dem ausgestreckten Körper Shivas, ihres Gatten. Vor dieser Darstellung der Göttin empfanden die Gläubigen zugleich die Furcht vor ihrer zerstörenden Macht wie auch die Gewissheit ihrer mütterlichen Zärtlichkeit. Kali verkörpert eben im Zusammenspiel dieser beiden Gegensätze die kosmische Macht, die Ganzheit des Alls.

Ramakrishna ließ sich durch die Stimmung des Kalitempels ganz und gar gefangen nehmen. Die Göttliche Mutter schien ihm gegenwärtig zu sein. In seinen Augen wurde sie das höchste Sinnbild der Naturkräfte, die wahre Vereinigung der Widersprüche. Sie verkörperte die einzige Wirklichkeit. Seine ganze Seele versank in der Anbetung der Göttin Kali. Seine Sehnsucht nach der Einheit mit der Gottheit beherrschte in der Folge die nächsten Monate seines Lebens bis er sie schlussendlich erlangte.

Erleuchtung
„Plötzlich offenbarte sich mir endlich die gnadenvolle Mutter. Die verschiedenen Teile der Gebäude, der Tempel und alles andere verschwanden spurlos vor meinen Augen. Statt dessen sah ich einen Ozean des Geistes, grenzenlos, unendlich, blendend. Soweit mein Blick reichte, sah ich glänzende Wogen, die von allen Seiten her sich erhoben und mit schrecklichem Rauschen auf mich nieder brandeten, als wollten sie mich verschlingen. Ich konnte nicht mehr atmen. Vom Wirbel der Wogen erfasst, stürzte ich leblos hin. Was in der äußeren Welt vor sich ging, wusste ich nicht. Mein Inneres wurde von einer stetigen Welle unaussprechlicher, mir noch völlig unbekannter Glückseligkeit durchflutet, und ich fühlte die Gegenwart der göttlichen Mutter.“ In der Folge war sein Leben von der Sehnsucht nach der Gegenwart Gottes und ihrer Erfahrung geprägt. Dies führte ihn oft bis an die Grenzen des Erträglichen; für sich und seine Umgebung.  

Begegnung mit der Brahmanin Bhairavi Brahmani 
Eine Brahmanin, die in der geistigen Entwicklung Ramakrishnas eine wichtige Rolle spielen sollte, erschien eines Tages in Dakshineswar. Sie war etwa fünfzig Jahre alt, noch schön, im orangefarbenen Gewande des Sanyasin (Asketen). Sie besaß nichts als zwei Kleider und einige Bücher. Ramakrishna schilderte ihr seine Erlebnisse, seine Gesichte, die von den meisten Leuten als Kennzeichen der Narrheit angesehen wurden. Sie antwortete ihm - «Mein Sohn, in dieser Welt ist jeder ein Narr. Die einen sind Geldnarren, andere sind Narren der Sinnlichkeit, andere wieder Narren des Luxus und der Berühmtheit. Du, du bist ein Narr Gottes.» Sie erklärte ihm, dass er die höchsten Zustände der Sadhana (geistige Übung) durchgemacht habe, Zustände, die in den Bhakti-Schriften beschrieben sind; er habe sogar den Mahabhava erreicht, die höchste Entzückung, die Krönung aller anderen. Nachdem auch die zwei berühmtesten Pandits ihre Aussage bestätigten, galt Ramakrishna als höchst geistige Inkarnation.

Ramakrishna (1836 - 1886) empfahl seinen Zuhörern fast ausschließlich den Weg der Liebe und Verehrung Gottes. Er war kein Lehrer, der seinen Schülern systematischen Unterricht des Yoga gab. Er war ein Heiliger, der in der Liebe zu Gott versunken war. Allein seine Anwesenheit genügte, um die Schüler und Verehrer die göttliche Kraft erfahren zu lassen und um sie auf deren spirituellem Weg zu bestärken.

"Eine grüne Nuss aus der Schale zu entfernen, ist fast unmöglich. Lass sie aber trocknen, und das leichteste Klopfen wird genügen." Ramakrishna

"Wie man sich des niederen Selbstes entledigt: Die Blüte vergeht von selbst, wenn die Frucht wächst; so wird auch dein niederes Selbst vergehen, wenn das Göttliche in dir wächst." Ramakrishna

(aus „Ramakrischna“ v. Solange Lemaitre, Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH, Reinbeck, und „Ein Werkzeug Gottes sein“ Benziger Verlag Zürich)

 
     
   

Yoga-Schule Rolf Heim, Sekretariat, Schöneggstr. 15, CH-9404 Rorschacherberg, Mail: rolfheim@yogaschulen.ch,
Tel: 071 855 38 52 oder 0041 (0)79 286 98 16  
Yesudian - Yoga in der Tradition von Selvarajan Yesudian und Elisabeth Haich